Mit Likes, Kommentaren und Abos lässt sich viel Geld machen. Trotzdem sagen sie nichts mehr darüber aus, wie viel Mehrwert Inhalte im Netz tatsächlich haben. Zu diesem Fazit kommen Svea Eckert, Philip Kreißel und Dennis Tatang, als sie auf dem 36c3 ihre Recherchen zu sogenannten Fake Like Factories vorstellen. Ein besonders eindrückliches Beispiel, das sie anführen, ist die vermeintliche Begeisterung für einen kleinen deutschen Gartenmöbelhändler, dessen Facebook-Seite über eine Million Abonnent:innen hat.
„Don’t trust anyone“, sagt Eckert – ihr Vertrauen in Likes ist dahin. Sie ist freiberufliche Investigativjournalistin und arbeitet vor allem für den NDR, Tatang ist Wissenschaftler an der Ruhr-Universität Bochum, Kreißel studiert an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Alle drei haben sich mit der Glaubwürdigkeit von Likes auf Facebook beschäftigt. Kreißel und Tatang haben Webcrawler geschrieben, mit deren Hilfe sie eine Liste von Fanpages erstellen konnten, für die jemand Likes eingekauft hatte. Darunter waren Influencer:innen, Unternehmen, Seiten von Vertreter:innen großer politischer Parteien.
Das ist doch kein Betrug
Mit einer Lokalpolitikerin hat Eckert sich getroffen. Die FDP-Frau hatte Likes gekauft, weil sie mit der Reichweite ihrer Facebook-Seite unzufrieden war. Sie habe demnach gesagt: „Warum Betrug? Das ist es doch nur, wenn die Anzahl von Likes ein Maß für Beliebtheit in unserer Gesellschaft ist.“ Auch das Unternehmen PaidLikes fände all das total unproblematisch – die sogenannten Clickworker:innen bekämen zwar bis zu sechs Cent pro Like, aber ob sie klickten oder nicht, sei ja ihre freiwillige Entscheidung. Eckert, Tatang und Kreißler verdeutlichen eindrücklich, welche Probleme es gibt, stellen zum Ende ihres Talks aber auch Lösungsansätze vor.
